Welcher war der erste Zaubertrick der Welt?

Zauberei und Magie üben seit Jahrtausenden eine Faszination auf die Menschheit aus. Die Vorstellung, dass jemand in der Lage ist, die Gesetze der Natur außer Kraft zu setzen und das scheinbar Unmögliche zu tun, versetzt die Menschen seit jeher in Staunen. Zaubertricks sind ein integraler Bestandteil der menschlichen Kultur und Geschichte. Doch welcher Trick war eigentlich der erste in der Geschichte und welche anderen Zaubertricks werden seit Jahrhunderten vorgeführt?

Was ist der älteste Zaubertrick der Welt?

Ägypten (ca. 2500 v. Chr.):

Der älteste dokumentierte Zaubertrick der Welt stammt aus Ägypten. Einer der ersten überlieferten Zauberer war Dedi. Es ist umstritten, ob es sich bei Dedi um eine historische Persönlichkeit oder eine fiktionale Figur handelt. Vermutlich steckt in seiner Geschichte ein wahrer Kern, der dann mit viel Fantasie ausgeschmückt wurde. Denn einige seiner beschriebenen Effekte scheinen unmöglich, während ein anderer an die Illusionen späterer Zauberer erinnert. Dedi soll in der Lage gewesen sein, in kürzester Zeit wilde Löwen zu zähmen, und einer Gans den Kopf abzuschneiden und ihn anschließend wieder anzubringen, sodass die Gans wieder lebt. Der Pharao Cheops wollte sehen, wie er das gleiche Kunststück an einem Gefangenen vorführt, aber das lehnte Dedi ab. Stattdessen hat er es mit einem Stier vorgeführt. Während mir die Ausführung mit einem Stier sehr schwierig und unrealistisch erscheint, ist das Abtrennen und wieder Anbringen eines Gänse- oder Hühnerkopfes ein verbreiteter magischer Effekt, der auch vor 4000 Jahren problemlos hätte ausgeführt werden können. Das macht ihn zum vermutlich ältesten Zaubertrick der Welt. Glücklicherweise kommt diese Art von Effekt aus Tierschutzgründen nicht mehr gut an. Aber eine moderne Version dieses Effekts, bei der kein Tier zu Schaden gekommen ist, zeigt David Blaine:

In der ägyptischen Geschichte gibt es zahlreiche Erzählungen über weitere Magier, die Zaubertricks durchführten, die Ähnlichkeiten mit denen von Dedi aufweisen. Tempelpriester nutzten verschiedene magische Effekte, um die Untertanen der Pharaonen zu beeindrucken und ihre Macht und ihren Einfluss zu stärken. Dabei bedienten sie sich der grundlegenden Prinzipien der Physik und Mechanik, die den Unwissenden wie Magie erschienen. Diese Priester, die als erste Scharlatane gelten, wurden zu Vorläufern späterer betrügerischer Okkultisten.
Lange hat man geglaubt, dass auch das Becherspiel bereits bekannt war, mit dem bis heute Menschen betrogen und unterhalten werden. Eine Zeichnung im Grab von Baket III. deutet darauf hin. Allerdings weiß man mittlerweile, dass das nicht der Fall ist. Die umliegenden Hieroglyphen behandeln einen kulinarischen Vorgang und in diesen fügt sich das vermeintliche Bild des Becherspiels ein.

Antikes Rom (65. n. Chr.):

Obwohl das Wandgemälde im Grab von Baket III. nicht die „Becher und Bälle“-Routine darstellt, können wir sicher sein, dass sie von den Römern durchgeführt wurde. Seneca der Jüngere erwähnt diesen Trick nämlich in seinen Briefen an Lucilius, die um 65 n. Chr. entstanden sind. Der „Becher und Bälle“-Trick gilt als einer der ältesten Zaubertricks der Geschichte und ist auch heute noch beliebt. Ursprünglich wurden dabei Becher und Bälle verwendet, aber im Laufe der Zeit wurden auch andere Gegenstände wie Würfel benutzt. Die Magier trugen ihre Werkzeuge in einer Tasche um die Taille und nutzten dies als praktische Möglichkeit, die Kugeln zu verstecken und wieder aufzufinden. Von dieser Handlungsmethode kommt der Begriff „Taschenspieler“. Denn die Zauberer spielten aus ihrer Tasche heraus für das Publikum. Das Becherspiel wurde in vielen Teilen der Welt durchgeführt, einschließlich des Nahen Ostens und verschiedener Teile Asiens.
Eine charmante und unterhaltsame Version dieses Becherspiels zeigt Tommy Wonder.

Mittelalterliches Europa (ca. 14. Jahrhundert):

Im mittelalterlichen Europa wurde die Zauberei oft mit Hexerei und Teufelsanbetung in Verbindung gebracht und verurteilt. Dennoch gab es auch in dieser Zeit Zauberer, die für ihr Können und ihre Unterhaltungskunst geschätzt wurden. Oft waren es Gaukler und Taschenspieler, die mit Ihrer Zauberei das Publikum verblüfften, aber auch über den Tisch zogen.
Gut zu sehen ist das in diesem Bild von Hieronymus Bosch. von ca. 1502. Darin wird der Mann, der sich vom Becherspiel ablenken lässt, von einem Taschendieb oder eher Beutelschneider beklaut.

Zaubertricks im 19. Jahrhundert:

Im 19. Jahrhundert erlebte die Zauberei eine bedeutende Entwicklung. Zauberer begannen, aufwendige Illusionen und Bühnenshows zu kreieren, die oft von Musik und Tanz begleitet wurden. Zwei bedeutende Magier dieser Zeit waren Ramo Samee und Robert Houdin.

Ramo Samee war ein indischer Jongleur und Zauberer, der in Europa und den USA auftrat. Er gilt als erster „moderner“ professioneller Jongleur. Samee war bekannt für seine beeindruckenden Jonglierfähigkeiten und sein dramatisches, weißes Kostüm. Er führte gefährliche Tricks wie das Verschlucken von Nadeln und Schwertern sowie das Essen von Feuer aus. Anfang der 1810er Jahre führte Samee einen Trick aus, bei dem er eine Handvoll Perlen in seinen Mund hinein jonglierte und einen Faden „schluckte“. Dann zog er nacheinander die Perlen, an den Faden aufgefädelt, aus seinem Mund. Ein anderes Mitglied seiner Truppe führte den Trick noch weiter und verschluckte Nadeln, anstatt der Perlen. Eine moderne Version zeigt David Blaine. Achtung, das folgende Video ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven:

Robert Houdin war ein berühmter französischer Zauberer und Uhrmacher, des 19. Jahrhunderts. Er gilt als der Begründer der modernen Zauberkunst und beeinflusste viele berühmte Zauberer wie Harry Houdini, der sich nach Houdin benannte. Robert Houdin entwickelte viele neue Zaubertricks und führte auch mechanische Spielereien in seine Vorführungen ein, die er in seiner Werkstatt selbst herstellte. Außerdem hatte er großen Einfluss auf die Inszenierung von Zaubertricks, indem er das Ambiente seiner Vorführungen aufwendiger und geheimnisvoller gestaltete. Er führte die Zauberei von den Straßen in die Salons und trug dazu bei, dass sie zu einer anerkannten Bühnenkunst wurde.

Wie Robert Houdin einen Krieg verhinderte:

Houdin nutzte seine Zaubertricks, um in Algerien einen Aufstand gegen die Kolonialherrschaft Frankreichs zu verhindern. Die Mitglieder eines dortigen Stammes glaubten an die Magie ihrer eigenen Priester. Die französische Regierung bat Houdin, dorthin zu reisen und zu demonstrieren, dass die Franzosen mächtigere Magie vollbringen können. Er zeigte unter anderem einen Trick mit einer kleinen Kiste auf der Bühne. Houdin erklärte, dass die Kiste von einem Kind angehoben werden könne, aber dass er jedem Anwesenden die Kraft nehmen könne, die Kiste zu heben. Als er einen freiwilligen starken Mann auf die Bühne bat und dieser daran scheiterte, die Kiste anzuheben, die Houdin zuvor mühelos gehoben hatte, war das arabische Publikum schockiert und von seiner Macht überzeugt. Das Geheimnis hinter diesem Effekt war ein starker, unter der Bühne versteckter Elektromagnet, der sich an- und ausschalten ließ und so die Kiste am Boden hielt.
In späteren Zeitungsartikeln klärten die Franzosen die Algerier darüber auf, dass diese Magie auf Tricks basierte und auch die Magie der algerischen Priester nichts weiter als Taschenspielertricks seien und ein Aufstand gegen die Franzosen hoffnungslos sei. So half Houdin dabei, den Aufstand zu unterbinden.

Sein berühmtester Effekt ist der „Orangenbaum“, der damals das Publikum in Staunen versetzte und auch heute noch fasziniert.

Warum zersägen Zauberer ihre Assistentin?

In den folgenden Jahren wurden einige der berühmtesten Zaubertricks erfunden, wie zum Beispiel die „zersägte Jungfrau“. Dieser Effekt war so erfolgreich, dass er vielfach kopiert wurde und es heute schwer ist zu sagen, wer die erste Version erfunden hat. Allerdings unterscheiden sich viele der damaligen Versionen in einem Punkt von den heutigen:

Sie hatten eine Motivation.

Ursprünglich war die „zersägte Jungfrau“ das Finale einer Zaubershow, in der die Assistentin den Zauberer geärgert hatte und mit einer lustlosen Einstellung die Effekte gestört hatte. Der Zauberer wurde im Laufe der Show immer genervter von ihr, bis er letztendlich so wütend war, dass er sie in eine Kiste sperrte und zum Schrecken des Publikums zersägte. Erst als er sie dann wieder zusammensetzte, konnte das Publikum aufatmen.  Es stellte erfreut fest, dass es keinen Mord, sondern einen Zaubereffekt beobachtet hatte.
Viele heutige Präsentationen dieses Effekts haben diese Motivation nicht. Darum fragt man sich, warum die Assistentin regelmäßig zersägt, durchbohrt und in kleine Kisten gesperrt wird. Die Antwort darauf ist, dass viele Zauberer es nicht besser wissen. Sie täten gut daran, von ihren Vorbildern aus der Vergangenheit zu lernen und nicht nur deren Effekte zu kopieren, sondern auch eine passende Geschichte dazu zu entwickeln.

Der Weg in die Moderne

Seit damals hat sich die Zauberei kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Techniken und die rasante Entwicklung der Technologie spiegeln sich auch in den Zaubertricks wider. Videoeffekte oder Laserprojektionen sind keine Seltenheit mehr.
Einer der erfolgreichsten modernen Zauberer ist David Copperfield. Er zeigt auf beeindruckende Weise, wie man die „zersägte Jungfrau“ modern präsentieren und dem Trick eine Bedeutung geben kann. In diesem Fall ist es ein scheinbar gescheiterter Entfesselungseffekt, der die Zuschauer in seinen Bann zieht.

Zusammenfassung

Zaubertricks sind seit der Antike Teil der menschlichen Kultur. Einige der ältesten bekannten Tricks wie der „Bechertrick“ sind bis heute beliebt und werden von Zauberern auf der ganzen Welt vorgeführt.
Sie sind nicht nur ein Unterhaltungsmedium, sondern auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Art und Weise, wie Zaubertricks im Laufe der Zeit entwickelt und präsentiert wurden, spiegelt die kulturellen und technologischen Entwicklungen wider. Diese Wandlungen zeigen auch, wie sich gesellschaftliche Normen und Werte verändert haben.
Zaubertricks haben einen besonderen Platz in der heutigen Unterhaltungsbranche und begeistern Menschen auf der ganzen Welt. Es bleibt abzuwarten, welche neuen Technologien und Innovationen in Zukunft entstehen, um das Publikum zu faszinieren.

Fabian Schneekind

Ich bin seit vielen Jahren hauptberuflicher Zauberer und Zauberkünstler auf Business- und Netzwerk Events, Teambuilding Veranstaltungen und Weihnachtsfeiern. Außerdem habe ich mich darauf spezialisiert als Hochzeitszauberer das Eis zwischen den Gästen zu brechen. In meinem Blog versuche ich meine Erfahrungen mit Eventveranstaltern zu teilen, damit Ihnen die Planung leichter fällt. Außerdem gebe ich gerne mein Wissen an angehende Zauberkünstler weiter, damit sie Einblicke in das Berufsleben eines Zauberers erhalten.

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